Tafelbilder teilen

Nach dem „Ende der Kreidezeit“ genießt das analoge Tafelbild einen zweifelhaften Ruf. – Zu Unrecht: Ist es doch nach wie vor ein vertrautes Medium. Schüler schätzen ein gut strukturiertes Tafelbild, Tafeln sind selbst im schlichtesten Klassenraum vorhanden und die Tafelanschrift ist nach wie vor unübertroffen, wenn es darum geht, Unterrichtsergebnisse prozessbegleitend vor aller Augen zu sichern und den Lernfortschritt sukzessive zu dokumentieren..

Mit digitalen Lernplattformen und Communities wie Instagram kann man den „Klassiker“ Tafelbild mit den Möglichkeiten digitalen Lernens erweitern.

Der Vorteil des abfotografierten Tafelbilds ist zunächst einmal die Zeitersparnis im Unterricht Eventuell ist es sinnvoll, die Tafelbilder zu Hause noch einmal sauber als Hefteintrag von Hand gestalten zu lassen, auch dann könnte man sie abfotografieren.

Wichtiger erscheint jedoch das leichte Teilen, z. B. mit Schülern, die an dem Tag gefehlt haben. Die Tafelbilder sind überall auf allen Geräten verfügbar (Tablet, Handy, PC), d.h. von überall unterwegs kann darauf zugegriffen werden. So kann z. B. im Urlaub gelernt werden, ohne dass Schulhefte mitgeschleppt werden müssen.

Die Dateien können lokal (auf dem Smartphone, Tablet…) oder extern gespeichert werden (z.B. GoogleDrive oder Dropbox, also in einer Cloud). Ein Kollege kann z. B. alle seine Tafelbilder in einem Cloud-Ordner speichern und dann für seine Kollegen an der Schule freigeben (und natürlich auch für die SuS).

Ein Vorteil, wenn man die fotografierten afelbilder in einem sozialen Netzwerk mit anderen teilt (z.B. Instagram oder WhatsApp-Gruppe einer Klasse) ist, dass Kommentare dazu verfasst werden können. Die SuS können Fragen formulieren und sich gegenseitig helfen.

So wird das klassische Tafelbild digital – und damit öffentlich, dialogisch, interaktiv und sozial.

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Tafelbilder zu Goethes „Faust“ – auf Instagram geteilt und mit Schülerkommentaren versehen.

 

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Die App-schaffung der Langeweile: Drei Unterrichtsideen mit WhatsApp

 

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Die Nutzung von WhatsApp ist mittlerweile Standard zur Vereinbarung von Terminen, Abgabe kurzer Statusmeldungen und privater Kommunikation generell. Trotzdem begegnet man einer weit verbreiteten Hemmung bei Lehrkräften, diese App für den Unterricht zu benutzen.

Was kann auf Einwände entgegnet werden, und welche Möglichkeiten der konstruktiven Nutzung von WhatsApp im (Deutsch-)Unterricht sind denkbar?

Die aktuelle Rechtslage

WhatsApp ist eine Mischform aus Kurznachrichtendienst (Instant Messenger) und Chat. Es ist verwandt mit den sozialen Netzwerken, weil man auch Communities (Gruppen) bilden kann. Im Saarland sind – anders als in anderen Bundesländern – soziale Netzwerke in der Schule nicht generell verboten. Die unterrichtliche Nutzung für SuS verpflichtend zu machen, ist nicht unproblematisch, weil im Saarland laut Rundschreiben die Weitergabe personenbezogener Daten in sozialen Netzwerken in der Schule verboten. Dazu gehören auch Telefonnummern.

Zur Kritik an WhatsApp

In Gesprächen mit Lehrkräften kommen – jenseits schulischer Handy-Verbote – immer wieder drei Argumente zur Sprache, um eine ablehnende Haltung gegenüber dem Einsatz von WhatsApp zu begründen (Der Lehrer, Dozent und Blogger Philippe Wampfler (@phwampfler) hat sich hier ebenfalls schon Gedanken darüber gemacht):

Einwand Nr. 1:

Die Nutzung von WhatsApp ist datenschutzrechtlich bedenklich: Die Daten werden auf Servern in den USA oder anderen Ländern gespeichert, wo nicht die deutschen Datenschutzrichtlinien gelten.

WhatApp ist in Bezug auf den Datenschutz bedenklich, und es wäre wünschenswert, wenn es eine vergleichbare App gäbe, die keine Datenschutzprobleme aufweist.  Allerdings gibt es generell keine Online-Aktivität ohne Datenschutzprobleme, ob es sich um das Versenden ein E-Mail, die Websuche mit Google oder irgendeine andere Nutzung des Internets handelt – und zwar völlig unabhängig davon, ob ein Tool im Unterricht genutzt wird oder nicht. Datenschutzprobleme müssen auf politischer Ebene gelöst werden; es macht keinen Sinn, sie auf dem Rücken von Schülern und Lehrkräften auszutragen.

Natürlich kann ich statt WhatsApp auch Alternativen wie Threema oder andere exotische Apps benutzen. Es bliebt aber die Frage, ob ich dadurch nicht Hürden aufbaue, die ich eigentlich durch die Nutzung des vertrauten Mediums gerade vermeiden will.

Einwand Nr. 2:

Die Schule kann die Nutzung von WhatsApp nicht einfach voraussetzen. Lehrpersonen dürfen den Eltern nicht vorschreiben, dass ihr Kind mit WhatsApp ausgerüstet zur Schule kommen muss.

Die Schule setzt auch die Benutzung von Büchern voraus. Ebenso setzt sie die Nutzung des Telefons voraus, wenn SuS sich z.B. vor Unterrichtsbeginn in der Schule krankmelden müssen. Die Benutzung von Stiften und Papier schreibt die Schule ebenfalls vor.

Wie würden wir mit der Position von Eltern umgehen, die argumentieren, dass ihre Kinder aus umweltethischen Gründen kein Papier benutzen dürfen, sondern alle Mitschriften und Hausaufgaben papierfrei auf Laptop oder Smartphone anfertigen?

Wenn es einen gesellschaftlichen Konsens über die Nutzung eines bestimmten Kommunikationsmittels oder Mediums gibt, dann kann und sollte dieses auch in der Schule verwendet werden. Über die Verwendung von WhatsApp besteht in der Gesellschaft Einhelligkeit. Außerdem erfordert sie weniger Ressourcen (Zeit, Energie) als die Alternativen E-Mail oder „Zettelwirtschaft“.

Einwand Nr. 3:

Ein Schulbesuch soll für alle, unabhängig vom Einkommen, erschwinglich sein. Bei der Nutzung von WhatsApp fallen unnötige Kosten für ein Smartphone bzw. für den mobilen Datenverkehr an.

Dieses Argument relativiert sich, wenn man die Perspektive wechselt: Von Eltern wird ganz selbstverständlich verlangt, aus eigenen Mitteln analoge Lernmittel wie Zeichenblöcke, Wasserfarbkasten, Stifte etc. oder auch Schwimmanzug, Turnschuhe usw. für den Sportunterricht  vorzuhalten. D.h., wenn ich Smartphones durch andere Materialien ersetze, kommt diese Diskussion nicht auf. Natürlich sind Möglichkeiten der Bezuschussung zu prüfen für Eltern, die sich das nicht leisten können.

 

Unterrichtsidee 1: Social Reading

Social reading ist die Variation des bekannten Schreibgesprächs (oder: Placemat) in einer elektronischen Schreibumgebung: Die SuS bekommen eine These oder einen anderen Impuls vorgelegt und äußern sich reihum schriftlich dazu.

Der Vorteil gegenüber dem analogen Schreibgespräch ist, dass Äußerungen von allen SuS der Lerngruppe in Echtzeit mitgelesen und kommentiert werden können.

 

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Schreibgespräch mit WhatsApp als Einstieg in die Unterrichtsreihe „Joseph Roth, Hiob“: Die Schüler äußern sich zum Ausgangsimpuls „Was versteht ihr unter einer Hiobsbotschaft?“

 

Unterrichtsidee 2: Lesetagebuch

Eine andere Möglichkeit ist, das klassische Lesetagebuch über eine klasseninterne WhatsApp-Gruppe führen zu lassen. Die SuS schreiben parallel zur Lektüre ihre Leseeindrücke und Fragen und können die der Mitschüler lesen, beantworten oder kommentieren.

Die SuS tauschen sich ohnehin über Hausaufgaben u.ä. in WhatsApp-Gruppen aus. Durch die feste Implementierung im DU wird der Medienbruch zwischen häuslichem und schulischem Lernen vermindert. Die SuS sind motivierter, etwas über das vertraute Medium zu schreiben.

Unterrichtsidee 3: Second Screen

Ein eher ungewöhnliches Beispiel, WhatsApp im Unterricht zu benutzen, ist die Erweiterung des klassischen Lehrervortrags oder Unterrichtsgesprächs durch einen Backchannel.

Beim klassischen analogen Erarbeitungsgespräch beteiligen sich immer nur ein Teil der SuS aktiv, andere hören zu, andere gar nicht.

Es ist schwierig für die Lehrperson, den einzelnen Schüler mit seinen Bedürfnissen, Fragen, Erfahrungen wahrzunehmen. Backchannel bedeutet, dass die SuS per WhatsApp am Smartphone während des Unterrichtsgesprächs still Fragen stellen und kommentieren können.

Dieses Unterrichtsgespräch 2.0 Das Ganze erinnert an Webinare oder MOOCs, die als Google Hangouts oder mit Adobe Connect geführt werden und bei denen es den Teilnehmer möglich ist, simultan auf einem Second Screen Fragen zu stellen. Das ganze Gespräch ist später abrufbar und kann weiter bearbeitet werden

Das Gleiche lässt sich natürlich auch über eine Facebook-Gruppe gestalten. WhatsApp und Facebook sind die Tools der Wahl, wenn es für SuS darum geht, ohne großen Aufwand gezielt Hilfe bei Hausaufgaben zu erhalten. Per Handykamera werden Tafelbilder, Aufgaben oder Texte abfotografiert und in die sozialen Netzwerke gestellt. In Kommentaren werden Fragen diskutiert und Lösungen angeboten.

Klassen schließen sich zu Netzwerken zusammen, z. B. bei Facebook oder WhatsApp. So sind Gespräche möglich, bei denen die ganze Klasse zuhören kann und alle Mitglieder sich äußern und Inhalte anderen mitteilen können (auch Dokumente, Bilder etc.). Auf diese Art und Weise kann der Unterricht dokumentiert werden (Tafelbilder, Hausaufgaben, Arbeitsmaterialien, Termine etc.).

Es wäre z. B. möglich, SuS in Stillarbeit ein Arbeitsblatt bearbeiten zu lassen, und parallel läuft per Chat bei WhatsApp die Diskussion und Entscheidungsfindung mit. So ist es möglich, ohne großen Zeitaufwand auch von Zuhause aus in Gruppen gemeinsam zu lernen und produktiv zu sein.

Fazit

WhatsApp hat jeder, kann jeder und nutzt jeder. Natürlich kann eine Schule den Standpunkt vertreten: Wir bilden einen Schutzraum, um SuS möglichst lange von digitaler Kommunikation zu verschonen. Ich halte diesen bewahrpädagogischen Ansatz jedoch für wenig konstruktiv.

Es gibt im Leben der Digital Natives keine „handyfreien Zonen“. SuS erleben das Aussperren vertrauter Medien als einen Bruch zwischen häuslichem und schulischem Lernen und Arbeiten.

Es ist zielführender – gerade aufgrund der berechtigten Kritikpunkte – die SuS an eine reflektierte Praxis heranzuführen.

Das Mindestalter für WhatsApp liegt bei 16 Jahren. Deshalb halte ich den Einsatz ab Klasse 10 für eine sinnvolle Grenze. In der Oberstufe können Lehrkräfte voraussetzen, dass SuS ein Smartphone für schulische Aufgaben einsetzen. Viele informelle Gespräche mit Schülern darüber, wie und womit sie lernen, bestätigen diese Einschätzung. Die Beschränkung auf die Oberstufe ist ziemlich restriktiv; in Zukunft sind liberalere Lösungen denkbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Shakespeare – gepinnt: Digitale Pinnwände mit Pinterest


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Jeder kennt die Pinnwand aus Kork. Sie ist beliebt als Requisit in Jugendzimmern oder Wohnküchen von Studenten-WGs.
An der Rückwand vieler Klassenzimmer befindet sich eine vergrößerte Variante davon. An meiner Schule, der @MarienschuleSb sind diese – liebevoll vom Hausmeister aus dicken Filzmatten ausgeschnitten und eigenhändig an der Wand verschraubt – zur Dokumentation und Veröffentlichung von Unterrichtsergebnissen wie Zeichnungen, Steckbriefen, Lernplakaten oder Wandzeitungen aus dem Klassenzimmer nicht wegzudenken.
Mit Pinterest lassen sich digitale Pinnwände kollaborativ erstellen, im Netz veröffentlichen und mit anderen teilen.

Was ist Pinterest?

Pinterest gibt es als Gratis-App oder Webanwendung. Es handelt sich um ein soziales Netzwerk, das im Vergleich zu eher „textlastigen“ Communities wie Facebook oder Twitter in erster Linie zum Teilen von Bilddateien gedacht ist. In dieser Hinsicht ist Pinterest mit Instagram vergleichbar. Während es bei Letzterem allerdings primär um kurze Statusmeldungen und „Echtzeitkommunikation“ geht, tritt bei Pinterest ein größerer Gestaltungswille zu Tage:

  • Bilddateien (selbsterstellte oder im Netz gefundene) können thematisch auf digitalen Pinnwänden gruppiert werden,
  • man kann anderen Usern mit gleichgelagerten Interessen folgen, also ihre Pinnwände gleichsam „abonnieren“,
  • sowie eigene Pinnwände erstellen und teilen.
  • Kernstück ist das sogenannte „Weiterpinnen“: Ich kann Fundstücke von anderen Pinnwänden meiner eigenen Pinnwand hinzufügen, sie also in meinen eigenen Netzwerk posten.

Pinterest im Deutschunterricht

Im Deutschunterricht meiner Klasse 10 kam allerdings nur ein Bruchteil der oben beschriebenen Funktionen zur Anwendung. Konkret ging es um:

  • Kollaboratives Erstellen einer eigenen Pinnwand zu einem vorgegebenen Thema
  • Beschreiben der Pins / Kommentieren der Bildbeschreibungen der anderen

Pinterest als soziales Netzwerk war den SuS gänzlich unbekannt. Es wurde mit den schuleigenen iPads gearbeitet, prinzipiell ist jedes digitale Endgerät (PC, Laptop, Smartphone) geeignet.

Da auf den Schulgeräten die native App nicht installiert ist, nutzten  alle die Webanwendung de.pinterest.com .

Ich hatte vorab einen Klassen-Account erstellt. Die SuS meldeten sich alle mit dem gemeinsamen Nutzernamen und Passwort an; manche registrierten sich freiwillig selbst mit ihrem eigenen Google-Konto.

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Klassen-Account bei Pinterest mit drei selbsterstellten Pinnwänden rund um das Thema „Shakespeare“

Leider ist die Benutzung von Pinterest alles andere als intuitiv. Als kleine Starthilfe für die SuS hatte ich bereits eine Pinnwand erstellt und einige Pins angeheftet.

Tippt man in der Übersicht der selbsterstellten Pinnwände auf die Leiste „Bearbeiten“, erscheint ein Menü, in dem man SuS als „Beitragende“ mit ihrer Mailadresse hinzufügen kann. Die SuS erhalten dann per Mail eine Einladung, an der Pinnwand mitzuarbeiten.

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Unter dem Menüpunkt „Bearbeiten“ können SuS als Beitragende mit ihrer Mailadresse hinzugefügt werden

Leider genügt es nicht, in der erhaltenen Mail auf das Bestätigungsfeld zu klicken. Die SuS mussten sich erst mit dem Klassenaccount bei Pinterest registrieren, dann in ihr Mailprogramm wechseln, um die Einladung anzunehmen, wieder zu Pinterest zurückkehren und sich anmelden.

Das klingt nun vielleicht so, als sei die Arbeit mit Pinterest kompliziert und schwierig, sodass die technische Bewältigung des Tools die inhaltliche Arbeit dominiert. Das kann ich aus meiner Unterrichtserfahrung heraus aber nicht bestätigen. 10 Minuten nach Stundenbeginn waren alle technischen Fragen geklärt, sodass mit der thematisch orientierten Arbeit begonnen werden konnte.

Die Unterrichtsidee

Der Einstieg in die Unterrichtsreihe „Romeo und Julia“ sollte ein Bilderbogen/ Panorama des Elisabethanischen Zeitalters sein: Shakespeare und die Zeit, die ihn machte –  Englands „Goldenes Zeitalter“. Dabei sollte ein aspektreiches Zeitgemälde entstehen, das die Bereiche Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Religion, Alltagsleben usw. umfasst.

Der Vorteil der digitalen Pinnwand gegenüber dem analogen Arbeiten ist zunächst einmal die räumliche und zeitliche Entgrenzung: Die Pinnwand ist nicht auf den Klassensaal beschränkt, die SuS können von Zuhause darauf zugreifen, sie unterwegs auf dem Smartphone anschauen, im Urlaub damit lernen usw.

Der öffentliche Charakter, also der Umstand, dass fremde User ihre Pinnwand „liken“ oder ihr folgen können, mag zusätzlich zur Motivation beitragen. Entscheidender ist aber der immerwährende „provisorische“ Zustand der Pinnwand: Sie kann ständig durch neue Pins und Kommentare erweitert werden und als „Dauermedium“ die gesamte Unterrichtsreihe begleiten, dabei auch den Wissenszuwachs dokumentieren.

Umsetzung und Reflexion

Der Zeitansatz für dieses Unterrichtsvorhaben war eine Schulstunde (45 Minuten). Zuhause hatte ich schon den Klassen-Account angelegt, die Einladungen per E-Mail an die SuS verschickt, die Pinnwand erstellt und einige Pins gepostet.

Vorbereitende Hausaufgabe war das Lesen einer kurzen Sachinformation (Umfang ca. 1 Doppelseite) über das Elisabethanische Zeitalter.

Nun bekamen die SuS folgende Arbeitsaufträge:

  1. Identifizieren Sie anhand Ihres Hintergrundwissens der Elisabethanischen Zeit die abgebildeten Pins und geben Sie ihnen eine kurze Erläuterung.

2. Verfassen Sie zu mindestens einem Pin einen aussagekräftigen Kommentar. – Vermeiden Sie einsilbige Kommentare: Ihr Text soll mindestens 2-3 zusammenhängende Sätze umfassen.

3. Suchen Sie mit der Google-Bildersuche eine weitere passende Illustration der Elisabethanischen Epoche und fügen Sie diese der Pinnwand hinzu. – Stellen Sie sich darauf ein, Ihre Auswahl im Kurs zu begründen. 

So geht das Kommentieren

Bei der Webanwendung muss man mitten auf den Pin klicken, dann erscheint eine großformatige Einzelansicht des Pins mit einer Kommentarzeile, in die man seinen Text tippen kann.

Bei der App muss man den Pin für 1-2 Sekunden gedrückt halten, bis ein Bleistiftsymbol erscheint. So gelangt man ins Menü „Bearbeiten“. Dort muss man noch einmal auf das kleine Thumbnail des Pins tippen. Es erscheint ein leeres Textfeld mit Cursor, in das man seinen Kommentar („Beschreibung“) eintragen kann.

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Die Kommentarfunktion bei Pinterest

Möglichkeiten der Binnendifferenzierung:

Leistungsfähigere SuS, die schnell mit dem Arbeiten fertig waren, konnten noch weitere Kommentare bzw. Pins posten oder ihrerseits Kommentare der Mitschüler kommentieren.

Damit trägt die Arbeit mit dem digitalen Tool stärker dem individualisierten Lernen, dem eigenen Arbeitstempo, Fähigkeiten und Interessen Rechnung als die klassische Gruppenarbeit mit Erstellung einer analogen Pinnwand.

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Die „fertige“ Pinnwand mit Schülerkommentaren

Fazit

Digitale Pinnwände können zur Dokumentation beliebiger Unterrichtsergebnisse verwendet werden: abfotografierte Standbilder, Tafelbilder, selbsterstellte Plakate, Wandzeitungen, Bilder(geschichten) etc.

Neben dem kollaborativen Arbeiten, der ubiquitären Verfügbarkeit und der permanenten Erweiterbarkeit ist ein entscheidender Vorteil die Kommentarfunktion, mit der die SuS auch Fragen formulieren und sich gegenseitig helfen können.

 

Faust – gesnappt: Visuelle Literaturinterpretation mit Snaptchat

Was ist Snapchat?

„Bei Snapchat kann man Gesichter falsch zuordnen und produziert Sachen, die Sekunden später weg sind – in der Schule heißt das Unterricht“, witzelt die Autorin und Lehrerin Kerstin Brune (@BruneKerstin) auf Twitter.

Tatsächlich überlegen viele Kolleginnen und Kollegen, wie sie die bei Schülerinnen und Schülern beliebte App im Unterricht gewinnbringend einsetzen können.

koenig_snapchatWie Twitter ist Snapchat ein Microblogging-Dienst, allerdings steht – trotz eingebauter Chatfunktion – das visuelle Bloggen oder Storytelling im Vordergrund. Diese App eignet sich also besonders zur visuellen Aufbereitung und zum Teilen von Informationen. Wie Snapchat funktioniert, kann man z.B. hier nachlesen: http://philippsteuer.de/snapchat-guide-so-funktioniert-snapchat/

Storytelling im Deutschunterricht ist möglich zum Thema Bildergeschichten, zu einer Anleitung (z.B. Kochrezept, Bastelanleitung), Vorgangs- oder Wegbeschreibung.

Hauptmerkmal von Snapchat ist allerdings, dass die Snaps sehr kurzlebig sind. Im privaten Modus verschwinden sie direkt nach Ansehen, spätestens aber nach 10 Sekunden, im Bereich Meine Geschichte können Snaps für 24 Stunden gespeichert werden. Danach löschen sich die Bild- oder Videodateien selbst.

Die Lehrerin und Bloggerin Monika Heusinger (@M_Heusinger) fragt also konsequenterweise nach didaktischen Szenarien, bei denen die Kurzlebigleit erwünscht ist, und zeigt verschiedene Anwendungsbeispiele aus dem Unterricht auf: http://monika-heusinger.info/blog/snapchat

Bei Snapchat können, anders als bei anderen Sozialen Netzwerken, etwa Facebook oder WhatsApp, keine Gruppenfreigaben definiert werden. Der Bereich Meine Geschichte ist für alle geaddeten Snapchat-Freunde sichtbar. Viele SuS wollen aber nicht, dass alle ihre Freunde sehen, was sie für die Schule gemacht haben. Dafür gibt es im Bereich Meine Geschichte es die Option „Herunterladen“. Snapchat speichert dann die Fotostrecke als kurzes Video auf dem Handy. Danach kann man es z.B. als E-Mail-Anhang oder bei Bilddatei über WhatsApp verschicken. Man kann die Snaps auch durch Screenshots nach dem Verschwinden verfügbar machen. Dies wird dem Absender jedoch angezeigt.

Wozu im Deutschunterricht?

Visuelle Verfahren zur szenischen Interpretation literarischer Texte sind spätestens seit der Veröffentlichung von Ingo Schellers gleichnamigem Werk im Jahre 1986 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Visualisierung ist eine beliebte Textzugriffsweise, da sie zur Konzentration, Verknappung und Verdichtung nötigt, Schwerpunktsetzung und Reduktion auf das Wesentliche erfordert, was wiederum eine Durchdringung des Textinhalts voraussetzt.

Schülerinnen und Schülern fällt es oft nicht leicht, einen Zugang zur „Höhenkamm-Literatur“ zu finden. Visualisierung bietet eine Möglichkeit zur handelnden, selbstständigen Auseinandersetzung mit Literatur und ist eine Alternative zum traditionellen, in der Regel rein sprachlich vermittelten Literaturunterricht. Viele Schülerinnen und Schüler verfügen intuitiv über ein gutes Textverständnis, tun sich aber schwer mit der Versprachlichung ihrer Textbeobachtungen. Beim visuellen Textzugriff kann Vieles zunächst implizit bleiben, um dann einer späteren Kognitivierung zugeführt zu werden.

Zum Visualisieren ist natürlich nicht unbedingt Snapchat nötig. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten aber gerne und kompetent mit der App und sind dadurch intrinsisch motiviert. Zudem bietet sie viele zusätzliche Bearbeitungsmöglichkeiten: Die Bilder können mit Filtern, Emojis, Symbolen und Textbannern versehen werden, auch freies Zeichnen ist möglich. Die Effekte/ Features von Snapchat eignen sich gut zur kreativen visuellen Gestaltung literarischer Inhalte.

Die Kurzlebigkeit ist dort hilfreich und erwünscht, wo Inhalte den Schülerinnen und Schülern vielleicht ein bisschen „peinlich“ sind. Sie senkt die Hemmschwelle der Schülerinnen und Schüler, sich auf die Methode des Standbildbauens einzulassen und ihren Körper als Instrument einzusetzen. Wie Ergebnisse trotzdem gesichert werden können und wie mehrmaliges Ansehen möglich ist, siehe unten.

Zur technischen Umsetzung

Der Smartphone-Besitz von Jugendlichen liegt laut der neusten JIM Studie bei über 90% und auf vielen Smartphones ist Snapchat installiert, sodass es kein Problem ist, bei einer Gruppenarbeit je 1 Schüler pro Gruppe zu finden, der über die nötige technische Ausstattung verfügt.

An dieser Stelle wird öfters diskutiert, ob es zumutbar ist, an Schulen ohne WLAN die Schüler mit ihrem privaten Datenvolumen quasi auf eigene Rechnung für schulische Zwecke arbeiten zu lassen. Die Frage wird interessanterweise nie gestellt, wenn es darum geht, Schüler von ihrem eigenen Geld bzw. dem Geld der Eltern analoges Unterrichtsmaterial wie Hefte, Stifte, Zeichenblöcke etc. kaufen zu lassen.

Manche Schüler hatten Bedenken, die Snaps in ihrer eigenen Geschichte zu veröffentlichen, weil dann alle ihre Freunde sehen, was eigentlich im Kontext von Schule und Unterricht verbleiben sollte. Deswegen wurden die Snaps nur wenige Minuten in Meine Geschichte zwischengespeichert, dann lokal auf das Schülerhandy heruntergeladen und anschließend in die klasseneigene WhatsApp-Gruppe verschickt. Dort besteht die Möglichkeit, den Chat zu archivieren oder – wie bei Snapchat auch – Screenshots zu machen. So können die Snaps mehrfach angeschaut werden, was für eine kritische Reflexion der eigenen Produkte unverzichtbar ist.

Unterrichtsbeispiel und Reflexion

Die Schülerinnen und Schüler des Deutsch E-Kurses (Kurs mit erweitertem Anforderungsniveau) der 11. Jahrgangsstufe haben „Faust. Der Tragödie erster Teil“ ganz gelesen und die einzelnen Szenen in einer Kapitelübersicht zusammengefasst, sind also mit der Handlungsstruktur vertraut. Zusätzlich bekamen sie von mit zu Beginn der Stunde noch einmal Stichwortlisten zu folgenden Teilaspekten der Handlung ausgeteilt.

  1. Fausts Entwicklung
  2. Gretchens innere (seelische) Entwicklung
  3. Gretchens äußere (soziale) Entwicklung
  4. Die Entwicklung der Beziehung zwischen Gretchen und Faust

In arbeitsteiligen Gruppen sollten sich die SuS von der rund 15 Punkte umfassenden Liste je 4 Phasen/ Situationen aussuchen, die sie für wesentlich erachten, und die passenden Belegstellen im Text suchen. Diese 4 Szenen sollten sie in Form eine Standbildes darstellen. Das Verfahren des Standbildbauens wurde schon zu Beginn des Schuljahres im Rahmen der Unterrichtsreihe „König Ödipus“ eingeübt. Viele SuS kannten die Methode auch schon aus ihrem früheren Deutschunterricht.

Die Standbilder sollten mit Snapchat erstellt, den entsprechenden Tools der App bearbeitet und dann als Geschichte, vergleichbar einer kurzen Fotostory oder einem Comicstrip veröffentlicht werden. Die Bearbeitungszeit für die Auswahl der Textstellen, die szenische Umsetzung und technische Bildbearbeitung betrug insgesamt 20 Minuten, was sich als vollkommen ausreichend erwies, da die SuS sehr kompetent und geübt sind, sodass sie schnell mit der App klarkommen. Anschließend wurden die Snap-Stories im Kurs geteilt, im Plenum veröffentlicht und analysiert.

Schülerbeispiel:

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Szene „Hexenküche“: Faust erblickt Helenas Bild im Spiegel
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Szene „Gartenhäuschen“: Die erste Liebesbegegnung zwischen Faust und Gretchen – Mephisto greift ein
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Szene „Gretchens Stube“: Reflexion des Liebeserlebens
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Szene „Kerker“: Faust wird von Mephisto weggeführt

Natürlich darf der Unterricht nicht mit der Erstellung und Veröffentlichung der Schülerprodukte enden. Eine Kognitivierungsphase ist zwingend erforderlich, wenn es nicht beim bloßen Aktivismus bleiben soll.

Der Vergleich der Schülerprodukte und die Begründungen der einzelnen Gruppen für die formale Gestaltung des Bildaufbaus und der Bildkomposition (Mis en scène) bieten zahlreiche Ansatzpunkte für Literaturgespräche und eine tiefgründige Interpretation.

Impulse für ein Auswertungsgespräch könnten sein:

  1. Beschreiben Sie die Darstellung und identifizieren Sie die abgebildeten Personen!
  2. Ordnen Sie die Szene einer Textstelle zu und begründen Sie Ihre Einschätzung!
  3. Erläutern Sie Ihre Szenenauswahl: Welche Funktionen haben diese Szenen für die Handlung?
  4. Beschreiben Sie Mimik, Gestik und Körperhaltung der Personen sowie ihre Stellung im Raum!
  5. Was sagt dies für die Beziehung der Figuren zueinander (zu diesem Zeitpunkt der Handlung) aus?
  6. Vor welchem Hintergrund spielt die Szene? Warum wurde gerade diese Kulisse ausgewählt?

etc.

Beispielanalyse:

Im letzten Bild ist die Raumsemantik besonders aussagekräftig: Bewusst wurde das Treppenhaus als symbolischer Ort ausgewählt: Die Gitterstäbe der Geländer schaffen eine Kerker-Atmosphäre, während die Treppen einen Auf- und Abstieg symbolisieren, der gesellschaftlich, moralisch oder sozial interpretiert werden kann: Faust ist auf dem moralischen Tiefpunkt angekommen, er wird vom Teufel herabgezogen. Gretchen steht – obwohl gesellschaftlich geächtet – auf der Stufenleiter der Moralentwicklung über ihm, wird von einer religiösen oder himmlischen Instanz „gerettet“. Das Schild „Notausgang“ im Hintergrund verweist nicht nur auf den Ausgang des Dramas, sondern stellt symbolisch die Frage nach möglichen Auswegen, Handlungsalternativen für Faust und Gretchen…