Shakespeare – gepinnt: Digitale Pinnwände mit Pinterest


IMG_1363.PNG
Jeder kennt die Pinnwand aus Kork. Sie ist beliebt als Requisit in Jugendzimmern oder Wohnküchen von Studenten-WGs.
An der Rückwand vieler Klassenzimmer befindet sich eine vergrößerte Variante davon. An meiner Schule, der @MarienschuleSb sind diese – liebevoll vom Hausmeister aus dicken Filzmatten ausgeschnitten und eigenhändig an der Wand verschraubt – zur Dokumentation und Veröffentlichung von Unterrichtsergebnissen wie Zeichnungen, Steckbriefen, Lernplakaten oder Wandzeitungen aus dem Klassenzimmer nicht wegzudenken.
Mit Pinterest lassen sich digitale Pinnwände kollaborativ erstellen, im Netz veröffentlichen und mit anderen teilen.

Was ist Pinterest?

Pinterest gibt es als Gratis-App oder Webanwendung. Es handelt sich um ein soziales Netzwerk, das im Vergleich zu eher „textlastigen“ Communities wie Facebook oder Twitter in erster Linie zum Teilen von Bilddateien gedacht ist. In dieser Hinsicht ist Pinterest mit Instagram vergleichbar. Während es bei Letzterem allerdings primär um kurze Statusmeldungen und „Echtzeitkommunikation“ geht, tritt bei Pinterest ein größerer Gestaltungswille zu Tage:

  • Bilddateien (selbsterstellte oder im Netz gefundene) können thematisch auf digitalen Pinnwänden gruppiert werden,
  • man kann anderen Usern mit gleichgelagerten Interessen folgen, also ihre Pinnwände gleichsam „abonnieren“,
  • sowie eigene Pinnwände erstellen und teilen.
  • Kernstück ist das sogenannte „Weiterpinnen“: Ich kann Fundstücke von anderen Pinnwänden meiner eigenen Pinnwand hinzufügen, sie also in meinen eigenen Netzwerk posten.

Pinterest im Deutschunterricht

Im Deutschunterricht meiner Klasse 10 kam allerdings nur ein Bruchteil der oben beschriebenen Funktionen zur Anwendung. Konkret ging es um:

  • Kollaboratives Erstellen einer eigenen Pinnwand zu einem vorgegebenen Thema
  • Beschreiben der Pins / Kommentieren der Bildbeschreibungen der anderen

Pinterest als soziales Netzwerk war den SuS gänzlich unbekannt. Es wurde mit den schuleigenen iPads gearbeitet, prinzipiell ist jedes digitale Endgerät (PC, Laptop, Smartphone) geeignet.

Da auf den Schulgeräten die native App nicht installiert ist, nutzten  alle die Webanwendung de.pinterest.com .

Ich hatte vorab einen Klassen-Account erstellt. Die SuS meldeten sich alle mit dem gemeinsamen Nutzernamen und Passwort an; manche registrierten sich freiwillig selbst mit ihrem eigenen Google-Konto.

IMG_1362
Klassen-Account bei Pinterest mit drei selbsterstellten Pinnwänden rund um das Thema „Shakespeare“

Leider ist die Benutzung von Pinterest alles andere als intuitiv. Als kleine Starthilfe für die SuS hatte ich bereits eine Pinnwand erstellt und einige Pins angeheftet.

Tippt man in der Übersicht der selbsterstellten Pinnwände auf die Leiste „Bearbeiten“, erscheint ein Menü, in dem man SuS als „Beitragende“ mit ihrer Mailadresse hinzufügen kann. Die SuS erhalten dann per Mail eine Einladung, an der Pinnwand mitzuarbeiten.

IMG_1350
Unter dem Menüpunkt „Bearbeiten“ können SuS als Beitragende mit ihrer Mailadresse hinzugefügt werden

Leider genügt es nicht, in der erhaltenen Mail auf das Bestätigungsfeld zu klicken. Die SuS mussten sich erst mit dem Klassenaccount bei Pinterest registrieren, dann in ihr Mailprogramm wechseln, um die Einladung anzunehmen, wieder zu Pinterest zurückkehren und sich anmelden.

Das klingt nun vielleicht so, als sei die Arbeit mit Pinterest kompliziert und schwierig, sodass die technische Bewältigung des Tools die inhaltliche Arbeit dominiert. Das kann ich aus meiner Unterrichtserfahrung heraus aber nicht bestätigen. 10 Minuten nach Stundenbeginn waren alle technischen Fragen geklärt, sodass mit der thematisch orientierten Arbeit begonnen werden konnte.

Die Unterrichtsidee

Der Einstieg in die Unterrichtsreihe „Romeo und Julia“ sollte ein Bilderbogen/ Panorama des Elisabethanischen Zeitalters sein: Shakespeare und die Zeit, die ihn machte –  Englands „Goldenes Zeitalter“. Dabei sollte ein aspektreiches Zeitgemälde entstehen, das die Bereiche Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Religion, Alltagsleben usw. umfasst.

Der Vorteil der digitalen Pinnwand gegenüber dem analogen Arbeiten ist zunächst einmal die räumliche und zeitliche Entgrenzung: Die Pinnwand ist nicht auf den Klassensaal beschränkt, die SuS können von Zuhause darauf zugreifen, sie unterwegs auf dem Smartphone anschauen, im Urlaub damit lernen usw.

Der öffentliche Charakter, also der Umstand, dass fremde User ihre Pinnwand „liken“ oder ihr folgen können, mag zusätzlich zur Motivation beitragen. Entscheidender ist aber der immerwährende „provisorische“ Zustand der Pinnwand: Sie kann ständig durch neue Pins und Kommentare erweitert werden und als „Dauermedium“ die gesamte Unterrichtsreihe begleiten, dabei auch den Wissenszuwachs dokumentieren.

Umsetzung und Reflexion

Der Zeitansatz für dieses Unterrichtsvorhaben war eine Schulstunde (45 Minuten). Zuhause hatte ich schon den Klassen-Account angelegt, die Einladungen per E-Mail an die SuS verschickt, die Pinnwand erstellt und einige Pins gepostet.

Vorbereitende Hausaufgabe war das Lesen einer kurzen Sachinformation (Umfang ca. 1 Doppelseite) über das Elisabethanische Zeitalter.

Nun bekamen die SuS folgende Arbeitsaufträge:

  1. Identifizieren Sie anhand Ihres Hintergrundwissens der Elisabethanischen Zeit die abgebildeten Pins und geben Sie ihnen eine kurze Erläuterung.

2. Verfassen Sie zu mindestens einem Pin einen aussagekräftigen Kommentar. – Vermeiden Sie einsilbige Kommentare: Ihr Text soll mindestens 2-3 zusammenhängende Sätze umfassen.

3. Suchen Sie mit der Google-Bildersuche eine weitere passende Illustration der Elisabethanischen Epoche und fügen Sie diese der Pinnwand hinzu. – Stellen Sie sich darauf ein, Ihre Auswahl im Kurs zu begründen. 

So geht das Kommentieren

Bei der Webanwendung muss man mitten auf den Pin klicken, dann erscheint eine großformatige Einzelansicht des Pins mit einer Kommentarzeile, in die man seinen Text tippen kann.

Bei der App muss man den Pin für 1-2 Sekunden gedrückt halten, bis ein Bleistiftsymbol erscheint. So gelangt man ins Menü „Bearbeiten“. Dort muss man noch einmal auf das kleine Thumbnail des Pins tippen. Es erscheint ein leeres Textfeld mit Cursor, in das man seinen Kommentar („Beschreibung“) eintragen kann.

IMG_1361
Die Kommentarfunktion bei Pinterest

Möglichkeiten der Binnendifferenzierung:

Leistungsfähigere SuS, die schnell mit dem Arbeiten fertig waren, konnten noch weitere Kommentare bzw. Pins posten oder ihrerseits Kommentare der Mitschüler kommentieren.

Damit trägt die Arbeit mit dem digitalen Tool stärker dem individualisierten Lernen, dem eigenen Arbeitstempo, Fähigkeiten und Interessen Rechnung als die klassische Gruppenarbeit mit Erstellung einer analogen Pinnwand.

IMG_1360
Die „fertige“ Pinnwand mit Schülerkommentaren

Fazit

Digitale Pinnwände können zur Dokumentation beliebiger Unterrichtsergebnisse verwendet werden: abfotografierte Standbilder, Tafelbilder, selbsterstellte Plakate, Wandzeitungen, Bilder(geschichten) etc.

Neben dem kollaborativen Arbeiten, der ubiquitären Verfügbarkeit und der permanenten Erweiterbarkeit ist ein entscheidender Vorteil die Kommentarfunktion, mit der die SuS auch Fragen formulieren und sich gegenseitig helfen können.

 

Advertisements

2 Gedanken zu “Shakespeare – gepinnt: Digitale Pinnwände mit Pinterest

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s