Arbeitsblätter 2.0

Laut einer im Jahr 2015 veröffentlichten Studie der Zeitschrift CT prägt die klassische Fotokopie nach wie vor den Alltag an deutschen Schulen. Digitale Medien sind weit abgeschlagen.

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Medien im Unterricht. Quelle: ct.de/yax1

Ironischerweise hat vermutlich gerade eine verstärkte Öffnung des Unterrichts zu diesem vermehrten Papierausstoß beigetragen. Zur Bereitstellung offener, schülerorientierter Verfahren wie Freiarbeit, Lernen an Stationen, Lerntheke usw. wird fleißig kopiert und laminiert. Auch die Erfordernisse der Umsetzung der Inklusion und binnendifferenzierende Anteile bewältigen viele Kollegen durch eine weitgehende „Papiersteuerung“ des Unterrichts.

 

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Digitales Lernen ermöglicht neue Formen und Verfahren des Einsatzes von Arbeitsblättern im Unterricht. Es erleichtert kooperatives Arbeiten z.B. in arbeitsteiligen Gruppenarbeitsphasen, da es Webanwendungen gibt, die das gemeinsame Arbeiten an einem Dokument ermöglichen. Ein Beispiel dafür ist Google Drive.

Google Drive

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Bei Google Drive handelt es sich um eine Webanwendung, die Online-Datensicherung ermöglicht. Es lassen sich z.B. Text- und Tabellendokumente erstellen. Dabei können mehrere Nutzer auf ein Dokument zugreifen und alle Änderungen werden in Echtzeit allen Gruppenmitgliedern angezeigt.

Organisation

Es ist möglich, einen Klassenaccount einzurichten. Dazu benötigt man lediglich eine Googlemail-Adresse, um einen Benutzernamen und ein Passwort zu generieren, die an alle SuS weitergegeben werden. Die SuS melden sich entweder mit den eigenen Smartphones oder schuleigenen Geräte (Tablet, oder PC) an. Ein Großteil meiner SuS in der Oberstufe besitzt eigene Google-Konten und meldet sich mit diesen an. Ich erstelle die Dokumente zuhause und generiere einen Freigabelink, den ich den SuS zuschicke.

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Wenn die SuS volle Schreibrechte besitzen, ist es wichtig, mit ihnen Regeln zu vereinbaren, sodass sie nicht ungefragt Dokumente verändern, umbenennen, verschieben oder löschen. Wird ein Dokument z.B. gelöscht, ist es für alle anderen SuS nicht mehr zugänglich. Die Lehrperson kann nach der Arbeit im Unterricht auch die Zugriffsrechte ändern

Auf diese Weise kann der digitale Workflow optimiert werden: Ich kann von jedem Rechner im Schulnetz, mit dem Laptop von unterwegs oder zuhause auf das Dokument zugreifen und z.B. nach der Bearbeitung im Unterricht noch Ergänzungen eintragen, ohne es auf einem USB-Stick speichern oder es per Mail verschicken zu müssen.

Einsatzmöglichkeit

Ich nutze Spreadsheets vor allem für arbeitsteilige Gruppenarbeit. Das Dokument ist vorstrukturiert und jede Gruppe trägt ihre Ergebnisse ein.

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In dem Beispiel sieht man ein Arbeitsblatt zu Joseph Roths Roman „Hiob“. Die SuS sollen verschiedene Aspekte des Erzählens untersuchen (Raumgestaltung, Zeitstruktur, Wortwahl und Satzbau, rhetorische Figuren, Personenkonstellation, Erzählperspektive, -verhalten usw.). In dem Beispiel wird GoogleDocs verwendet.

GoogleDocs

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Google Docs ist ein kostenloses webbasiertes Textverarbeitungsprogramm, das alle Daten auf einem Google-Server (der sogenannten Cloud) abspeichert. So sind sie von jedem Computer oder mobilen Kommunikationsgerät abrufbar und bearbeitbar, ohne Installation von Software und Kosten.

Einsatzmöglichkeit

GoogleDocs ist ideal zur kollaborativen Erstellung und Bearbeitung von Texten. Mehrere Personen können von unterschiedlichen Standorten (also zum Beispiel unterschiedlichen PCs) gemeinsam in Echtzeit an dem Dokument arbeiten, wobei alle Eingaben allen Teilnehmern sofort sichtbar werden. So können umfangreichere Schreibaufgaben, z.B. eine wissenschaftliche Ausarbeitung in Gruppenarbeit, kollaborativ erledigt werden, ohne dass die Teilnehmer physisch im selben Raum anwesend sind.

Spreadsheets verwende ich oft, wenn Kapitel eines Romans, Akte eines Dramas etc. inhaltlich zusammengefasst werden sollen und bspw. ein Schülerpaar ein Kapitel übernimmt.

Ergebnisse einer aufwändigeren arbeitsteiligen Gruppenarbeit lassen sich sehr zeitökonomisch sichern. Sie müssen nicht mehr vom Rest der Gruppe von Tafel oder OHP abgeschrieben und (womöglich unter Zeitdruck) ins Heft übertragen werden, sondern stehen automatisch allen SuS in sauberer Form zur Verfügung und können von jedem Digitalgerät aus abgerufen und zusätzlich jederzeit verändert (aktualisiert, ergänzt) werden.

Außerdem können die Ergebnisse unverzüglich in ansprechender Form präsentiert werden, indem das Smartphone, Tablet oder Notebook mit einem Beamer verbunden wird. Die schnellste  Art und Weise ist das kabellose Streamen z.B. mit einer AppleTV-Box.

Alternative Etherpad

Eine andere Möglichkeit der kollaborativen Textarbeit, z.B. des Überarbeitens von Texten bieten Etherpads arbeiten, das sind webbasierte Texteditoren, z. B. Titanpad (www.titanpad.com) oder ZUMpad (www.zumpad.zum.de).

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Bei manchen Etherpads erscheinen die Beiträge der Teilnehmer jeweils in einer anderen Farbe, sodass man schnell erkennen kann, wer der Autor eines Beitrags ist. Ich nutze Etherpads gern für das gemeinschaftliche Sammeln, z. B. von Argumenten für eine Diskussion oder von Zitaten aus einem Text für eine literarische Erörterung.

Erweiterung OR-Codes

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Der Einsatz von QR-Codes ist gerade im Zusammenhang mit Arbeitsblättern im Unterricht sehr hilfreich. QR-Codes verwende ich gerne zum Binnendifferenzieren. Auf Arbeitsblättern gebe ich mit Hilfe eines QR-Codes eine Internetseite oder ein Dokument an, wo schwächere SuS eine Hilfestellung erhalten (oder alternativ leistungsstärkere SuS weiterführende Aufgaben finden).

Dazu verwenden meine SuS i.d.R. ihre eigenen Smartphones, aber auch schuleigene iPads. Die integrierte Digitalkamera und eine entsprechende App, die es auch als kostenlose Version gibt, ermöglichen das Einlesen des Codes und eine direkte Weiterleitung zu einer Website.

Zum Erstellen der Codes benutze am liebsten die Seite qrcode-monkey.de . Nach Öfnen der Seite wird eine beliebige URL in die entsprechende Eingabezeile kopiert, mit der grünen Schaltfläche „QR-Code generieren“ wird ein QRCode erzeugt, der sich durch Klick auf die rechte Maustaste mittels Copy & Paste sofort als Grafik in jedes Textdokument einfügen lässt. Durch eine Zusatzfunktion kann man sogar noch kleine Grafiken (z.B. das Schul-Logo) in den QR-Code einbinden und ihn so unverwechselbar machen.

Fazit

Durch digitale Tools wie GoogleDrive und GoogleDocs sowie QR-Codes wird das Medium Arbeitsblatt fit für das dritte Jahrtausend. Das Arbeitsblatt wird sozial, es wird interaktiv, kollaborativ, schülerorientiert und nachhaltig.

 

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2 Gedanken zu “Arbeitsblätter 2.0

  1. Die Masse an Arbeitsblättern ist in deutschen Schulen definitiv ein Problem und es wird, den Eindruck teile ich, mehr als je zuvor kopiert und gedruckt. Obwohl ich selbst ein weitestgehend papierfreies Office habe und alles digitalisiere, was nicht in Papier vorliegen muss, komme ich im Unterricht um Arbeitsblätter nicht umhin. Dafür drucke ich sie mir dann zumindest selbst und in Farbe. Wo möglich ergänze ich durch Online Inhalte, für die ich QR Codes einbette.
    Google Docs, Office365 und demnächst Open365 bieten schon tolle Möglichkeiten, wenn man die Möglichkeit hat, mit Schülern das Internet zu nutzen. Wenn gar nichts geht, kann man sich auch mit lokalen Lösungen helfen, die dann aber in bestimmten Funktionen eingeschränkt sind.
    Bis wir mal soweit sind, dass wir mit allen Schülern zu jeder Zeit digitale Tools mit Online Anbindung nutzen könnten, wird es leider noch dauern. Bis dahin lebt das Arbeitsblatt in Kopie.
    Mit Google Produkten muss man derzeit sicher auch in Bezug auf Datenschutz etwas Vorsicht walten lassen. Solange man dort keine Lebensläufe abspeichert oder andere hochpersönliche Inhalte erstellen lässt, die einem Individuum zugeordnet werden können und auch online keine Leistungsbewertung in den Dokumenten vornimmt, bleibt man rein datenschutztechnisch aber im grünen Bereich.

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