Schüler bloggen

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Vorüberlegungen

Bloggen könnte sich in den nächsten Jahren zu einer echten Alternative des klassischen Schulaufsatzes entwickeln. Der Vorteil: Die Einträge sind öffentlich, können von allen gelesen und kommentiert werden. Die Lehrperson nicht mehr Alleinabnehmer, das Noteneinsammeln nicht mehr alleiniger Zweck des Schreibens.

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Es empfiehlt sich zum Einstieg mit den Schülern Einträge bekannter Blogger zu lesen, auch die Kommentare zu lesen und die Schüler selber kommentieren zu lassen. Danach können Schüler eigene Blogposts zu Themen Hobbies, Erlebnisse, Interessen („Mein schönstes Ferienerlebnis“, „Wie pflege ich mein Haustier“) verfassen oder: Erkenntnisse aus dem Deutschunterricht als Blogeintrag gestalten.

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Das Verfassen von Blogartikeln ermöglicht, neben der Lese- und Schreibkompetenz, an der Gestaltung des Internets teilzuhaben, einen positiven digitalen Fingerabdruck zu hinterlassen,  und fördert damit die gesellschaftliche Partizipation. Durch den Öffentlichkeitscharakter ist die Motivation höher, einen Beitrag zu verfassen, da er nicht wie so oft im Unterricht nur von der Lehrperson gelesen wird. Der Unterricht wird geöffnet und authentische Kommunikationssituationen geschaffen.

Organisation

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Die Schüler können von jedem digitalen Endgerät (PC, Tablet, Smartphone) aus bloggen – entweder in der Schule oder von Zuhause aus. Als Software wird WordPress verwendet. Dieses Webtool ermöglicht, kostenlos Blogs zu erstellen und zu publizieren und ist zudem sehr benutzerfreundlich. Gebloggt wird über einen Klassenaccount, den die Lehrperson zuvor erstellt hat. Die Schüler brauchen sich also nirgendwo mit ihren persönlichen Daten zu registrieren.

Zunächst werden mit den Schülern die Nutzungsregeln vereinbart: Der Klassenaccount darf nur zu unterrichtlichen Zwecken genutzt werden. Die Blogeinträge erfolgen gemäß Arbeitsauftrag. Unangemessene Beiträge oder Kommentare sind ebenso untersagt wie das Löschen oder ungefragte Verändern von Einträgen.

Das klingt für den Außenstehenden vielleicht so, als sei die Arbeit mit WordPress risikobehaftet und schwer zu kontrollieren. Ich kann aber aus eigener Erfahrung nur sagen, dass ich bisher keinerlei schlechte Erfahrungen und keine missbräuchliche Nutzung festgestellt habe. Im Gegenteil: Die Schüler sind sehr motiviert, in das elektronische Medium zu schreiben, und arbeiten gerne und arbeiten gerne mit.

Ein Zitat aus dem Blog des Schweizer Deutschlehrers, Bloggers und Autors Philippe Wampfler (@phwampfler) mag dies bestätigen:

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Schreibaufgaben

Beispiele für Schreibaufgaben/ Schreibarrangements, die mittels Bloggen in elektronischen Umgebungen gut zu erledigen sind:

  • Unterrichtsprotokolle. Diese sind online verfügbar und können von allen gelesen und kommentiert werden. Dies bietet Hilfe z.B. für Schülerinnen, die an diesem Tag gefehlt haben.
  • Imaginäres Tagebuch einer literarischen Figur
  • Projektplanung und –Dokumentation, z.B. für eine umfangreichere Hausarbeit
  • Lesetagebuch/ Lektürebegleitung/ Lektürejournal, z.B. ein Blogpost pro Kapitel, das gelesen wird, pro Deutschstunde usw.

Die Schüler kommentieren ihre Beiträge, stellen Fragen und helfen sich gegenseitig. Empfehlenswert sind klare Vorgaben, z.B. ein Blogpost zu jedem Kapitel eines Romans und ein Kommentar zum Post eines Mitschülers. Ich habe auch Vorgaben gemacht, wie die Kommentare formal zu gestalten sind:

  • keine einsilbigen Kommentare
  • mindestens 2-3 zusammenhängende Sätze
  • Eingehen auf den anderen, versuchen ihn inhaltlich weiterzubringen
  • Keine Beleidigungen etc.

 

Arbeitsjournal

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Der obige Screenshot zeigt ein anderes Beispiel für einen Schülerblog. Die technische Umsetzung erfolgt über eine Seite namens http://www.oltb.de (OLTB= OnlineLernTageBuch), die von Prof. Ludwig von der Uni Potsdam für eine Studenten gestaltet wurde. Die Lehrkraft legt hier einen Kurs an (Termine mit den Daten der Kurssitzungen) und erstellt Fragen. Die Schülerinnen legen sich einen Account an und erhalten ein Passwort, mit dem sie sich in den Kurs einschreiben. Dann können Sie die Fragen beantworten, aber auch die Beträge die Mitschüler lesen und kommentieren.

Ich setze das OLTB als Arbeitsjournal bei umfangreicheren Gruppenarbeiten ein, die sich auf mehrere Wochen erstrecken. Im Anschluss an jede Arbeitsgruppensitzung verfassen die Schüler einen Arbeitsbericht als Blogeintrag. Die folgenden Fragen sind eher formal angelegt. Es sind aber auch inhaltliche Fragen denkbar.

  • Welches Lern- bzw. Erkenntnisinteresse brachte ich zur Stunde mit?
  • Was waren die zentralen Inhalte?
  • Welche neuen Erkenntnisse hat mir die Stunde gebracht?
  • Welche Fragen sind noch offen?
  • Woran wollen wir nächste Stunde weiterarbeiten?
  • Wie haben wir zusammengearbeitet?
  • Was hat mich gestört? Was kann man verbessern?

Beide Werkzeuge – WP und OLTB – sind frei von Spam und Werbung. Die Lehrperson kann ein Zeitfenster definieren, in dem die Beiträge erstellt werden müssen. Man kann Statistiken ansehen, z.B. welche Beiträge wie oft gelesen wurden, wer wie viele Kommentare verfasst hat usw.

Eine Herausforderung ist das kriteriengestützte Bewerten und Beurteilen – oder gar Benoten – der Blogeinträge.

 

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